
Biberexkursion im „Biber-Wasser-Dorf“ Berfa: Der Biber an der Berf lockt 45 Naturfreunde und zeigt die Faszination sowie die Herausforderungen des Bibers
Berfa, 18. April 2026 – Der Naturschutzverband „schöner Ausblick“ e.V. organisierte am Samstag eine Veranstaltung, die die faszinierende Welt des Bibers in den Mittelpunkt stellte. „Wie bei allen Naturschutzinitiativen ist eine objektive Diskussion von Vor- und Nachteilen der Natur essenziell. Diese beginnt damit, die Auswirkungen und das Verhalten des Bibers erstmal zu verstehen“, erklärte Frau Dr. Sachiko Scheuing, die erste Vorsitzende des Verbandes.
Eine besondere Würdigung erfuhr dabei der Ort selbst. Laut Ortsvorsteher Heinz Stumpf hieß die Siedlung früher vermutlich „Biberaffa“. „Affa“ bedeutet Wasser, daraus soll im Laufe der Zeit ‚Berfa‘ entstanden sein. Hinweise auf die Affinität des Dorfs mit dem Tier ist in Berfa mehrfach zu finden, z.B. gibt es dort den „Biberbrunnen“ oder auch die Kindergartengruppe „Biberbau.“
Der Biberexperte Thomas Steinke, der Vorstandsmitglied des NABU-Kreisverbands Vogelsberg ist und dort unter anderem Mitglied der Arbeitsgruppe Biber, begeisterte 45 Teilnehmer mit einem Vortrag über Biber, eindrucksvollen Exponaten wie einem Biberpräparat, einem Biberfell oder dem Schädel des Bibers und anschließend mit einem Spaziergang entlang der Berf zu aktuellen Spuren des Bibers.
Neben den historischen Veränderungen der Lebensräume des Tieres präsentierte Thomas Steinke unterschiedliche Perspektiven der Ansiedlung des Bibers. Er erläuterte die Herausforderungen durch die Bautätigkeit des Bibers z.B. für Forst- und Landwirtschaft, aber auch den Nutzen, den der Einzug des Bibers hat. Biber verbessern Lebensräume, tragen zur Förderung der Artenvielfalt bei und helfen, Flüsse und Landschaften natürlicher zu gestalten. Biber tragen außerdem zum Hochwasserschutz und zur Anreicherung des Grundwassers bei. Wichtige Aspekte der Rechtslage wurden ebenfalls erläutert. Der Biber unterliegt, ähnlich wie etwa der Schwarzstorch und die Haselmaus, besonderen Schutzbestimmungen. Kürzlich wurden in Hessen auch mögliche Ausgleichszahlungen für entstandene land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Schäden von bis zu 25.000 Euro beschlossen.
„Mit wachsenden Biberbeständen verlieren Landwirte zunehmend Nutzflächen, ein wirtschaftliches Problem. Wir brauchen pragmatische Lösungen. Eine konstruktive Auseinandersetzung ist dabei von entscheidender Bedeutung, um gemeinsame Nenner zu finden“, betonte die zweite Vorsitzende Frau Dr. Silvia Kaufmann.
Mit frisch erworbenem Wissen konnten die Teilnehmer die Präsenz des Bibers an der Berf erfahren. Der Spaziergang führte durch den Lebensraum des Nagers, wo Fraßspuren, sogenannte „Rutschen“, mehrere Dämme und eine Biberburg bestaunt werden konnten. Auch hier trafen sich verschiedene Standpunkte: Bei vielen vor allem die Begeisterung über die Rückkehr eines über 400 Jahre verlorenen Tieres und das Staunen über dessen perfekte „Ingenieurskunst zum Nulltarif“, wie Steinke betonte. Daneben standen aber auch Sorgen einiger Teilnehmer, ob der Hochwasserschutz in gleicher Weise wie bislang gewährleistet sei, da sich die Biberaktivitäten in dem vor einigen Jahren angelegten Renaturierungsgebiet befinden.
Im Anschluss an den informativen Rundgang luden die Veranstalter zu einer gemütlichen Gesprächsrunde mit Salzekuchen und Getränken ein. In dieser lockeren Atmosphäre konnten weitere Fragen geklärt und persönliche Eindrücke ausgetauscht werden. „Die hohe und aktive Beteiligung unterstreicht das wachsende Interesse der Bevölkerung an Naturschutz und nachhaltiger Koexistenz mit Wildtieren. Der Naturschutzverband „schöner Ausblick“ plant bereits weitere Veranstaltungen zu Naturthemen in der Region unter dem Motto -Natur erfahren, Natur bewahren“, so Dr. Scheuing.
Fotos: privat.